Sommerfreizeit Bericht 2017

ein Bericht von Johannes Thurk – Teilnehmer auch in diesem Jahr in Bornholm.

Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.

Diese Zeile aus dem bekannten gleichnamigen Lied, was sich als Ohrwurm durch das Gehör wühlt, begleitete uns – uns heißt in diesem Falle 61 junge Menschen, deren Leben noch vor den nackten Füßen liegt –zwei Wochen lang in Norwegen – genauer gesagt in Skoktun, einem märchenhaft schönen Ort, mit einem eiskalten Badesee und einer idyllischen Landschaft, die selbst Mittelerde Konkurrenz macht – und diese Zeile hätte bei unserer Ankunft nicht besser passen können.

Endlich! Endlich waren wir nach zwei Tagen, von denen einer zur Hälfte in Dänemark an der Küste verbracht wurde, an unserem Haus am See! Ein nettes Haus, welches uns sympathisch dazu einlud, Gottesdienste mit einer erstklassigen Band zu feiern, theologische Gespräche zu führen und bitte ab der Nachtruhe nicht mehr so laut zu sein …

Alles klar – Super! Super viele tolle Programmpunkte, bei denen man gut und gerne mal in einen riesigen See springen musste, super Essen (exquisit wie ein Sterne-Restaurant, in dem es irgendwie immer nur ganz exotische Speisen zu geben scheint) und einfach eine super Stimmung mit Lagerfeuergeknister und Gittarrengeklimper.

Einfach … Moment mal: Wovon ist hier grad eigentlich die Rede? Na – von der Sommerfreizeit 2017 nach Norwegen. Hm – toll und was bedeutet das?

Freizeit bedeutet zuallererst eine frische, aufgeweckte Jugend mit viel Unfug, aber auch viel Aufgewecktheit und vielen Fragen im Köpfchen.

Freizeit bedeutet Vertrauen. Vertrauen zu den Leitern deiner Lebensgruppe, zu anderen Teilnehmern , mit denen du zusammenschweißt, weil du dich mit ihnen gegen eine rumpelnde Spülmaschine beim Küchendienst stellen musst, weil du mit ihnen auf einem Wildwasserfluss durch die Natur Norwegens in einem Schlauchboot durch Stromschnellen ruderst. Weil du mit ihnen wortwörtlich in einem Boot sitzt.

Vertrauen aber auch auf Gott. Dass er es gut werden lässt, wenn der Reisebus mit dem man unterwegs ist, schief in einem Graben steckt. Dass er es gut werden lässt, wenn man draußen auf dem Hof unter freiem Sternenhimmel schläft, und den Tag darauf auf Felsen klettert und sich durch Dornen für einen Schatz durchkämpft.

Freizeit bedeutet auch, dass man vielleicht Vertrauen aufbaut, indem man in der Lebensgruppe von seinen Ängsten und „hohen Wellen“ im Leben berichtet, hohen Wellen aus neuen Schulanfängen und Zwischenmenschlichem, hohen Wellen, über die selbst David Hasselhof nicht drüber surfen könnte.

Vertrauen aufbauen auch auf Gott, indem man sich über die morgendliche Andacht Gedanken macht, am Gebetsabend einen Fragebogen über Gott ausfüllt, oder auch wenn man beim Abendabschluss in den Lebensgruppen gemeinsam betet, nach einem erlebnisreichem Tag, wo einem die Arme vom Schwimmen und die Beine vom Klettern weh tun.

Aber nicht nur das bedeutet Freizeit. Freizeit bedeutet, sich auch mal auf der Bühne zum Affen machen und in die Rolle einer Prinzessin zu schlüpfen. Freizeit bedeutet auch, mit den Affen da auf der Bühne zu lachen, zu singen zu Akkordeonmelodien, aber auch zu idyllischer Lobpreismusik, einfach zuzuhören, am Abend zur Ruhe zu kommen und den Tag zu reflektieren, jedoch auch sich am Tag auszupowern und eine Menschenpyramide zu bauen. Freizeit bedeutet eine unglaubliche, überall spürbare Gemeinschaft, doch auch kleine Momente allein auf dem Sprungbrett, wo man einfach nur nachdenklich der Sonne zuschaut….oder auch dem Regen zuschaut. Das – das alles bedeutet Freizeit: Boot fahren, singen, lachen, vielleicht auch weinen, Momente in Gruppen, Momente zu zweit und in Gottes Gegenwart –  er schien bei einem zu sein, als würde er sich in der Fußsohle verstecken.

Davon ist hier eigentlich die Rede.

Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.

Diese Zeile aus dem gleichnamigen, bekannten Lied, was sich als Ohrwurm durch das Gehör wühlt, begleitete uns.
Begleitet uns immer noch, da zwar die Freizeit vorbei ist, wie wir am letzten Tag mit einem erschreckenden Blick auf den noch nicht gepackten Koffer festellen mussten, aber doch einiges immer noch da zu sein scheint. Freundschaften, die man mit der Jacke der sozialen Kontakte geknüpft hatte, Erinnerungen auf Fotos, als Hintergrundbilder und im jugendlichen, Skateboard-fahrenden Herzen. Im Herzen von 61 jungen Menschen, deren Leben schon ein wenig vorangeschritten ist, in dem sie stehen – mit nackten Füßen auf einem Sprungbrett eines norwegischen Sees.

Doch auch im Herzen von Gott. So wie alle Menschen. Seien es Jugendliche, Kinder, deren Leben noch so klein ist dass es in Brieftaschen passt, oder Menschen, welche ihre Armbanduhr des Lebens schon ausgezogen haben.

Das Leben, was nicht ewig geht, ist eher nur n kurzer Trip, Zuhause ist man nur Tourist.

Tourist in einem norwegischem Wald, Tourist in einem fernem Land, Tourist im Büro, in der Schule, Tourist bei einem neuem Lebensabschnitt.

Wir sind die Touristen und Gott der Reiseführer.

Und am Ende?
Am Ende der Straße?
Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.              Johannes Thurk