Urlaub mit Gott

ein Bericht der Sommerfreizeit 2018 von Johannes Thurk – Teilnehmer 2018.

Da fuhren wir nun also nach Dänemark. Ans Ende der Welt für die einen, raus aus der Routine aus Hausaufgaben und stehen gebliebenen Rolltreppen Richtung Zukunft für die anderen.

Es war wie in einem nebulösen Traum, als wir auf der Fähre die Küste Bornholms erblickten, eine Insel so verschlafen, dass man meinen könnte jede Tanne an der Küste würde einen Pyjama tragen. Es war, als ob Gott Urlaub machen würde und 69 Jugendliche hätte er in seinen Reisekoffer verstaut.

69 Jugendliche, die sich viel zu müde zum Frühstück schleppen, die Heimweh nach vier Balken Internet haben, und die sich in die Wellen des schäumenden Meeres stürzen, was ein ganz eigenes Lobpreislied zu singen scheint.

Aber Urlaub mit Gott ist mehr als beim Küchendienst mit Esther Paul Kartoffeln schälen, oder mit Taschenmessern an Stöcken herum schnitzen. Urlaub mit Gott ist seine Gegenwart spüren. Eine Gegenwart, wie sie kein Kreuzfahrtflyer beschreiben kann. Mit einer Stimmung wie sie keine hübschen eingeborenen Kellner mit exotischen Drinks servieren können, und mit einer Liebe, die sich nicht als Touristenfalle entpuppt.

Kurz: Urlaub mit Gott ist die Sommerfreizeit 2018.

Gottes Gegenwart, die man nach der Freizeit, wenn es zurück in den Tornado aus Schule und Job geht nicht mehr so intensiv erlebt, wurde mit der Erinnerungskamera festgehalten.

Da gibt es die Fotos des gemeinsamen Singens, von Melodien die sich als Ohrwürmer in dein Gehör fressen. Wo man selbstbewusst und schief die Töne fast trifft, ohne das es peinlich ist. Der gemeinsame Lobpreis war immer ein Orchester aus den verschiedensten Stimmen, alle durch Jugendliche Stimmbänder erzeugt. Hier konnte man frei und wild singen wie man will.

Es war Gottes Castingshow, wo jedoch nichts vom Fernsehsender geskriptet und manipuliert war, sondern wo jeder schon den Recall in der Tasche hat.

Denn Singen ist Freude zur Sache haben, und keine Freude zur Sache machen.

Ein weiteres Foto an der Gedankenwand ist der Klettergarten: Ein riesiges Labyrinth, das sich bis hoch in die Baumkronen erstreckte, aus wackligen Brücken, Seilbahnen und Hindernissen, wie in einem Jump’n’Run Computerspiel. Für manche war dieses Klettern über schwankende Netze kinderleicht, für andere Teilnehmer, denen die Höhenangst in die Wiege gelegt wurde war es ein Gefühl zwischen weichen Knien und protestierendem Magen.

Aber ein Urlaub mit Gott heißt sich manchmal auch seiner Angst zu stellen, denn Angst ist eigentlich wie ein Schattenspiel, das Riesenmonster ist nur deine Hand und Phantasie.

Und mit gesicherten Karabinerhaken, die einen in heiklen Situationen wie ein eigens zugestellter Schutzengel vorkamen, war der Sprung über den eigenen Schatten, nur noch ein kleiner Schritt nach vorne.

Die Zeit schien einen eigenen Gemeindebus zu fahren, und das viel zu schnell, alles war  vollgeklebt mit Eindrücken die alle auf einen zukamen, irgendwann hatte man vor seinem geistigem Auge ein Bild voller Farben. Impressionen über Impressionen, und man selbst in der Mitte des ganzen. Da gab es Verschnaufpausen beim Abendabschluss, wo der Duft des Parfüms der Romantik in der Luft schwebte, bis man dann am Ende mit Augenringen und blauen Flecken wieder auf dem Weg zurück war.

Zurück zu dem Ort, den man daheim nannte, wo man vielleicht nur unter der Dusche und allein im Zimmer Lobpreislieder laut und selbstbewusst singt. Der Urlaub mit Gott ging vorbei, so schnell wie er gekommen war. Der Vorhang der Vorstellung war gefallen, das Happy End, was man die ganze Zeit auf der Freizeit verspürt hatte, schien wie ein Placebo Effekt. Gott hatte uns aus seinem Reisekoffer in eine Ecke geworfen, so schien es. Und die ganzen Fotos im Kopf waren verstaubt und zerkratzt. Freizeit – und was dann?

Vielleicht kann man ja immer mit Gott Urlaub machen.

Gott hat auch schon für jeden ein Handtuch mit einem guten Platz am Strand reserviert.

Natürlich hat man vor der Haustür keinen Strand, man verspürt nicht das Gefühl der nackten Füßen im Sand, und die Kochkünste des Küchenteams findet man in keinem Imbiss.

Aber Urlaub mit Gott muss keine Sommerfreizeit sein. 

  Bericht Johannes Thurk (im Bild links vor der Theaterkulisse des diesjährigen Theaterstückes)