Kreativwerkstatt: Was braucht unsere Welt?

Die Antrittsrede des neu gewählten Bundesjugendkanzler im Jahr 2040.

Noch ist sie Zukunftsmusik. Wir hoffen, dass sie gehört wird. Inspiriert durch die Aussagen der jungen Menschen, die eine Woche lang ihre Gedanken gefunden und dann auf Leinwände gebracht haben.

Hier vor Menschen stehen zu dürfen, 

die endlich das Tau in den Händen halten, 

welches die Knoten aus den verstrickten Systemen ziehen könnte. 

Mit jungen Menschen deren Ehrlichkeit und Meinungen 

den Diktator der geschlossenen Lippen vom Thron gestürzt haben. 

Hier mit euch stehen zu dürfen. 

Stehen. 

So ein einfaches Wort irgendwie. Mit dennoch so viel Gewicht. 

Wie steht man? Torkelnd und unsicher. Ein dünner Baum der einknickt. 

Oder doch standhaft, wie ein Fels in der Brandung, 

dem auch die stärksten Böen des Gegenwindes nicht entgegensetzen können.

Wo steht man?

Mitten im Leben, was sich als komplizierter und beschissener herausstelle, 

als es auf den Arbeitsblättern der Schule stand.

Wo steht man?

Vor den Toren eines Neuanfangs, welcher strengstens bewacht wird. 

Von den Wächtern Angst und Gewohnheit.

Wo steht man?

In der Schlange zur Kasse 3, 

wo man sich Warenwerte kauft, 

obwohl man das Wahre nicht kaufen kann.

Vor allem für was steht man?

Für die Liebe? Für ein Sein ohne sollen? 

Für die Hoffnung? Für die Hoffnung, 

dass dieser schlappe durchlöcherte Ball namens Erde 

wieder geflickt und aufgepumpt werden kann. 

Nicht nur mit heißer Luft, sondern mit frischen Atem.

Für was steht man?

Für die kleinen Dinge. Z.B. die Oma über die Straße zerren, 

die eigentlich gar nicht rüber möchte.

Für was steht man?

Schritt für Schritt dahin, was die Münder der Menschen predigen. 

Dahin wo der erhobene Zeigefinger eigentlich hindeutet.

Und wenn einer. 

Nur einer an dieser Jugendkirche vorbeigeht und diese Banner liest. 

So geht er vielleicht nicht mehr vorbei. 

Sondern macht das was die Jugend kann.

Bewegen.

Autor: Johannes Thurk